001 Warum frage ich: „wie geschieht?“ und nicht „was ist?“

„Was ist?“ kann nur einen Augenblick – einen Snapshot – abbilden

Was ist Beziehung?
Was ist eine Entscheidung?
Was ist ein Konflikt?
Was ist Veränderung?

Die Frage sucht nach Etwas, das wir erkennen, benennen und festhalten können.

Doch jede Antwort kann nur genau den Mikroausschnitt bestimmen, in dem wir gerade fragen. Sie entsteht in diesem Augenblick, unter diesen Bedingungen und mit dem Wissen, das uns jetzt zur Verfügung steht.

Schon im nächsten Augenblick kann etwas hinzukommen. Ein anderer Zusammenhang. Eine andere Begegnung. Eine Information, die wir vorher nicht hatten. Und schon sieht das, was eben noch eindeutig schien, anders aus.

Das macht den Snapshot nicht falsch.
Aber es macht ihn zum Snapshot.

Vielleicht sind solche Snapshots nichts anderes als kleine, momentane Wahrheiten. Wahr in diesem Augenblick, mit dem Wissen, das wir gerade haben.

Aber reicht das?

Müssten wir nicht viel stärker den Prozess anschauen – statt einen einzelnen Moment festzuhalten?

Mich interessiert deshalb eine andere Frage:

Wie geschieht Beziehung?
Wie geschieht eine Entscheidung?
Wie geschieht ein Konflikt?
Wie geschieht Veränderung?

Nehmen wir an, ich bin heute depressiv. Ich schlafe kaum, sehe keinen Sinn mehr, kann mich zu nichts aufraffen. Wir machen unseren Snapshot und nennen das, was wir sehen: Depression.

Morgen gewinne ich in der Lotterie.

Was sehen wir dann?

Vielleicht bin ich noch immer depressiv.
Vielleicht bin ich plötzlich euphorisch.
Vielleicht macht mich der Gewinn sogar verzweifelt.
Vielleicht verändert sich gar nichts.

War der gestrige Snapshot deshalb falsch?

Nein. Er hat beschrieben, was wir gestern sehen konnten.

Aber er konnte nicht sagen, wie es weitergeht.

Und vielleicht ist genau das der entscheidende Unterschied:

Ein Snapshot beschreibt einen Zustand.
Ein Prozess zeigt, wie er geschieht, sich verändert – oder bestehen bleibt.

Mich interessiert deshalb nicht nur:

Was ist?

Sondern:

Wie kommt es dazu, dass genau das gerade so geschieht?

Und was zeigt unser banales Beispiel mit dem Lottogewinn?

Etwas außerhalb von mir verändert sich – und möglicherweise verändert sich auch, was in mir geschieht.

Das führt zu einer nächsten Frage:

Kann Etwas überhaupt geschehen, ohne dass etwas Anderes geschieht?

Oder noch grundsätzlicher:

Kann Etwas ohne Bezug auf etwas Anderes geschehen?


γίγνεται — gignetai
es wird · es entsteht · es geschieht
syngenesis. So geschieht’s.

Stay tuned.

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