Bisher ging es um einzelne Phänomene: Beziehung, Ding, Eigenschaft.
Jetzt geht es um das, was jedem Geschehen zugrunde liegt. Das nennt man Ontologie – die Frage danach, was überhaupt ist.
Bei mir lautet diese Frage anders: nicht was ist – sondern was geschieht. Und dafür brauche ich ein paar Grundbegriffe. Hier führe ich sie ein.
Fangen wir damit an: Ein Kind wird gross. Brot geht auf. Eine Wunde heilt. Der Himmel wird dunkel.
Wir nennen das alles: Werden. Aber was ist das eigentlich – nicht das Kind, nicht das Brot, nicht die Wunde, sondern das Werden selbst, das in jedem von ihnen geschieht? Und deshalb meine Frage:
Wie geschieht Werden?
Werden geschieht nie aus sich selbst. Nichts wird, indem es nur mit sich selbst beschäftigt ist. Auch die Physik kennt bislang keinen Fall, der dem widerspricht.
Das heißt: Werden braucht mindestens zwei.
Ich nenne die Beteiligten etwas. Und, damit wir unterscheiden können, nennen wir eines davon das andere.
Wo völlige Unabhängigkeit herrscht, geschieht kein Werden.
Etwas ist dabei die allgemeinste Bestimmung, die es überhaupt gibt. Es meint alles, was an Werden teilnimmt und sich dabei selbst verändert – ob materiell, biologisch oder mental, spielt zunächst keine Rolle. Der Stein ist ein etwas. Der Hammer auch. Du auch. Gedanken auch.
Aber etwas ist nie seinem Wesen nach ein anderes. Das andere ist keine Eigenschaft, die jemandem gehört – es ist eine Stellung im Verhältnis. Der Stein ist nicht an sich das andere. Er wird es erst gegenüber dem Hammer.
Alles, was ist, verändert sich. Ein Gegenbeispiel ist mir nicht bekannt.
Das Feld zwischen etwas und dem anderen nenne ich das zwischen.
Das zwischen besteht nur gemeinsam mit beiden. Es ist der Bereich, in dem etwas und anderes zugleich bestehen. Und weil es nur gemeinsam besteht, kann Werden keinem der beiden allein entspringen.
Keines geht dem anderen als alleiniger Ursprung voraus. Beide entstehen im selben Moment.
Das Werden, das im zwischen geschieht, nenne ich syngenesis.
Nicht etwas macht Syngenesis. Nicht das andere macht sie. Sie geschieht im zwischen – oder gar nicht.
Nicht etwas. Nicht das andere. Nur das zwischen.
γίγνεται — gignetai
es wird · es entsteht · es geschieht
syngenesis. So geschieht’s.
Stay tuned.
Die neu eingeführten Begriffe sind mir sehr wichtig, da sie vielleicht einen neue Sicht- und Dankweise anstossen können:
- etwas – alles, was an Werden teilnimmt und sich dabei selbst verändert.
- das andere – keine Eigenschaft eines Etwas, sondern seine Stellung im Verhältnis. Der Stein wird erst gegenüber dem Hammer zum anderen.
- das zwischen – das Feld, das nur gemeinsam mit etwas und anderem besteht.
- syngenesis – das Werden, das im zwischen geschieht.

